Australien hat jetzt den längsten Golfplatz der Welt
Der Par 72-Kurs der kürzlich in Australien eröffnet hat, ist nichts für eine schnelle Runde zwischendurch. Der Kurs ist 1365 Kilometer lang und führt, immer schön den Highway entlang, durch zwei Wüstengebiete. Wie jede richtig gute Idee entstand auch diese bei ein paar Bieren. Die Idee allerdings verdient Respekt, auch wenn der neue Platz vermutlich weder die Reichen und Schönen noch gestresste Manager, die kurz beim Sport entspannen wollen, anziehen wird. Für den Spielspaß muss man Zeit mitbringen, die Löcher liegen bis zu 100 Kilometer voneinander entfernt. Der Vorteil: Ein Kart braucht man hier nicht (außer, man hat ganz viel Zeit). Die Fortbewegung der Spieler erfolgt per Auto. Golfrasen gibt es klimabedingt hier allerdings keinen, gespielt wird auf Kunstrasen. Und wenn Sie an Loch 13 Schafe sehen: Das Bier ist nicht schuld daran. Die Tiere sind echt, sie gehören zu einer Schaffarm, die an der Strecke liegt. Der Par 72-Kurs beginnt in der Goldminenstadt Kalgoorlie, 556 Kilometer östlich von Perth und endet in Ceduna in Südaustralien. Kalgoorlie – nie gehört. Ceduna – ebenfalls nicht. Genau das ist das Problem des Südwestens – die Touristen sind anderswo. Und das soll künftig besser werden, der Golfplatz soll den Tourismus an Australiens Südküste zwischen Perth und Adelaide ankurbeln, und am schönsten funktioniert so etwas immer mit einem Rekordversuch.
Und da in Australien viel Platz ist, lag die Idee mit dem längsten Platz der Welt nahe. Wer den ganzen Platz bespielen will, sollte drei bis vier Tage einplanen. Der 1400 Kilometer lange Highway 1 ist sozusagen die Grundorientierung und Lebensader des Projektes. Die Autobahn liegt im Gebiet der Nullarbor-Wüste. Es gibt gemütlichere Ecken auf unserem Planeten, um Golf zu spielen: Der Name kommt aus dem Lateinischen, „nulla arbor“ bedeutet „kein Baum“. Die 200.000 Quadratkilometer große Wüste ist das größte Stück Kalkstein der Welt. Wen das nicht abschreckt, der ist für diesen Platz geeignet.
18 Tankstellen entlang des Highway 1 sorgen für gefühlte Sicherheit. Und die Möglichkeit, Menschen anzutreffen, denn viel war bislang in dieser Gegend nicht los. An jedem Loch, so verspricht Mitinitiator Don Harrington, erwarten die Spieler nicht nur Golferfreuden, sondern auch eine lokale Attraktion, von Walbeobachtung bis zu fossilen Ausgrabungen. Ein Riesenkänguruh gehört auch dazu, es steht in Border Village und heißt „Rooey II“. Das fünf Meter hohe Denkmal hält – nachdem es Proteste bezüglich seiner Bierdose gegeben hatte – nun eine Dose Limonade in der Pfote.
Einer der Mitbegründer des Platzes ist Bob Bongiorno. Der Tankstellenbesitzer hat eine besondere Sehenswürdigkeit anzubieten: In der Nähe seines Stützpunktes für Autofahrer schlug 1979 ein Satellit ein. Kann ja mal passieren. Nur wer alle Teilabschnitte absolviert hat, bekommt ein Zertifikat. 26.000 Spieler sollen im ersten Jahr in Südaustralien golfen. Das sind 500 pro Woche. Richtig voll wird’s auf dem längsten Golfplatz der Welt also nicht werden.
Quelle: welt.de



